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Nachgeburtsbestattungen

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- ein fast vergessener Brauch

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„Damit´s Kind g´sund bleibt”

-Tabu Nachgeburtsbestattung -

Neue Forschungsthemen stoßen häufig auf Skepsis, so auch im Fall „Nachgeburtsbestattung“.

Als 1984 in Bönnigheim zum ersten Mal im Keller vergrabene Töpfe gefunden und diese mit dem Brauch der Nachgeburtsbestattung in Verbindung gebracht wurden, löste dies mitunter nur ein mitleidiges Lächeln aus. Ein vergleichbarer Fund war unbekannt. Zwischenzeitlich liegen Funde aus ganz Deutschland vor.

Im Januar 1984 untersuchten wir in Bönnigheim das Gebäude Michaelsbergstraße 17/19, das abgebrochen werden sollte. Zufällig stießen wir dabei auf vergrabene Töpfe im Kellerboden. Und zufällig hatte ich kurz vorher im Buch „Volkstümliche Überlieferungen in Württemberg“ von Karl Bohnenberger (1904) vom Brauch der Nachgeburtsbestattung im Keller gelesen. Deshalb brachte ich die Töpfe mit diesem Brauch in Verbindung. Anfragen bei den entsprechenden Fachbehörden zeigten, dass in Deutschland kein vergleichbarer Fund bekannt war. Die Ausgrabung des Kellers brachte 50 Töpfe ans Tageslicht. Funde in 33 weiteren Kellern folgten. Seitdem wir den Fund und unsere Interpretation bekannt gemacht haben, werden in ganz Deutschland solche Töpfe ausgegraben. Erst völkerkundliche Vergleiche erhellten den Hintergrund. In der Plazenta wird ein geistiges Wesen vermutet, das eine Verbindung zum Kind hat. Wird dieses Wesen schlecht behandelt, rächt es sich am Kind. Dieses wird krank und stirbt. Deshalb war das sorgfältige Bestatten, das Zurückgeben an die Mutter Erde, eine wesentliche Voraussetzung für das Gedeihen des Kindes. Dieser Hintergrund lässt sich heute weltweit belegen, ja in vielen Völkern wird die Nachgeburt heute noch bestattet. Der Nachweis von Hämoglobin und Östrogenen im Topfinhalt an der Universität Mainz brachte eine eindrucksvolle Bestätigung unserer Hypothese.

Wie ist es möglich, dass ein allgemeiner Brauch völlig verschwindet und vergessen wird, so dass auch die Wissenschaft kaum etwas davon weiß? Das lässt sich wohl nur mit einem Tabu erklären, das in unserer Gesellschaft Themen um die Geburt umgab.

Vor bereits 5300 Jahren belegt eine Nachricht aus Ägypten die besondere Behandlung der Nachgeburt. Weitere Belege werden 200 v. Chr. in China, 800 n. Chr. im Talmud, dem jüdischen Gesetzeswerk, aufgeführt. Die jüngste Erwähnung in Deutschland stammt von 1963 aus dem Schwarzwald. Quer durch alle Zeiten und Völker lässt sich die Nachgeburtsbestattung verfolgen. Selbst der Philosoph Peter Sloterdijk bezeichnet die Nachgeburt 1998 in seinem Buch „Sphären I“ als Urbegleiter. Deshalb lässt sich vermuten, dass wir mit der Nachgeburtsbestattung einem Urbrauch der Menschheit auf die Spur gekommen sind.

Kurt Sartorius

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